Wenn du das erste Mal vor einer sechsspurigen Straße in einer asiatischen Metropole stehst, sackt dir das Herz erst mal kollektiv in die Sandalen.
Dein Gehirn schaltet sofort auf Alarmstufe Rot und sendet nur einen einzigen, panischen Gedanken: *„Hier komme ich nie lebend rüber. Das ist mein Ende.“*
Als braver Europäer sucht man ja instinktiv nach einem Zebrastreifen.
Süßer Fehler! Zebrastreifen sind hier nämlich keine Schutzzonen, sondern fallen eher unter die Kategorie „dekorative Straßenmalerei“.
Und Ampeln?
Nun, Ampeln werden von den Einheimischen vor allem als freundliche, farbenfrohe Beleuchtungsempfehlung verstanden. Rot heißt hier nicht „Stopp“, sondern eher: „Guck mal, ob wer kommt, und wenn nicht, gib Gas!“
Trotz des scheinbaren Chaos kollabiert das System nicht. Es hat eine magische, fast schon spirituelle Logik. Der Verkehr verhält sich nicht wie eine Reihe von Autos, sondern wie ein riesiger, fließender Schwarm hochaktiver Hornissen. Jede Lücke, und sei sie auch nur so groß wie ein Suppenteller, wird gnadenlos genutzt.
Nach wochenlangem Studium der lokalen Überlebenskünstler habe ich meinen ultimativen Geheimtipp für Fußgänger entwickelt:
Bloß keinen Blickkontakt mit den Mopedfahrern aufnehmen! Wer guckt, zeigt Schwäche. Wenn du ihnen in die Augen siehst, riechen sie deine Angst und bremsen erst recht nicht.
Das ist der tödlichste Fehler. Der Schwarm kalkuliert deine Gehgeschwindigkeit im Voraus. Wenn du plötzlich lossprintest, bringst du die gesamte asiatische Verkehrsmatrix durcheinander.
Wer stehen bleibt, verliert. Einfach in gleichmäßigem, sturem Tempo losgehen, als würde dir die Straße gehören.
Es grenzt an ein Wunder, aber es funktioniert: Die Mopeds fließen wie Wasser um dich herum. Du kommst am anderen Ufer an, völlig verschwitzt, der Puls auf 180, aber du lebst! Und das Beste?
Beim nächsten Mal fühlt man sich schon fast wie ein Einheimischer – zumindest so lange, bis ein Moped dich hupend auf dem Gehweg überholt.