Wer glaubt, das Überqueren einer sechsspurigen Hauptstraße in Südostasien sei der ultimative Nervenkitzel, der hat noch nie versucht, in Thailand den Internetanbieter zu wechseln. Ein Abenteuer, das selbst den entspanntesten Lebenskünstler an den Rand des puren Wahnsinns treiben kann!
Es fing alles so harmlos an. Das WLAN zu Hause tröpfelte nur noch müde vor sich hin, also dachte ich mir: *„Herbie, Zeit für einen Wechsel. Schnelleres Netz, stabiles Streaming, das kann ja nicht so schwer sein.“* Spoiler: Es kann. Aus einem vermeintlich schnellen Wechsel wurde ein episches, tagelanges Drama!
Bewaffnet mit einer gehörigen Portion Optimismus (und meinem treuen Strohhut) machte ich mich auf den Weg in den schicken Shop des neuen Anbieters im Einkaufszentrum. Die Klimaanlage dort lief natürlich wieder auf arktischer Gefriertruhen-Stufe – perfekt, um die Wartezeit im Tiefkühlmodus zu verbringen.
Ich dachte anfangs, ich ziehe eine Nummer, unterschreibe ein Formular und fertig. Pustekuchen! Es ging tagelang hin und her. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in dieser Zeit mindestens 15 Mal von verschiedenen Angestellten fotografiert wurde, um meine Identität im System zu bestätigen. Mein Reisepass hat inzwischen eine eigene Stamm-Kopierstraße im Laden verdient – der wurde gefühlt genauso oft durch den Scanner gejagt. Ich kam mir vor wie ein international gesuchter Geheimagent, und nicht wie ein Lebenskünstler, der einfach nur flüssig YouTube-Videos schauen will!
Irgendwann stieß dann aber auch die berühmte thailändische Mentalität an ihre bürokratischen Grenzen. Bei ein paar Damen am Schalter war angesichts des selbst angerichteten Chaos die Höflichkeit dann doch sichtlich eingefroren. Statt des üblichen zuckersüßen Dauerlächelns gab es genervte Blicke, und man ließ mich deutlich spüren, was ich in ihren Augen in diesem Moment war: einfach nur ein anstrengender, alter Farang, der ihr System überfordert. Aber gut, da muss ein Lebenskünstler drüberstehen!
Nach mehreren Tagen voller Ausflüge in den Shop, unzähligen Passkopien und einem wahren Blitzlichtgewitter geschah endlich das lang ersehnte Wunder: Ein kurzes *„Sawasdee ka, fertig!“* ertönte, und man drückte mir stolz die Unterlagen in die Hand.
Völlig erschöpft, aber glücklich über den vermeintlichen Sieg gegen die Bürokratie, kam ich endlich zu Hause an. Ich packe also voller Vorfreude alles aus, um das neue Turbo-Internet zu starten. Und was darf ich feststellen?
Die nette Mitarbeiterin hatte die neue SIM-Karte im Laden zwar brav vor meinen Augen getestet, aber danach schlichtweg **vergessen, sie wieder zurück in das Plastikcover zu stecken!** Sie lag vermutlich noch einsam und verlassen auf dem Tresen im klimatisierten Einkaufszentrum. Der absolute Gipfel der Freude! Das hieß natürlich: Alles wieder einpacken, Strohhut auf und auf in die nächste Runde des Wahnsinns...
Der Wechsel hat mich zwar ein paar Nerven, ein halbes Vermögen an Kopierpapier, mein schönstes Passfoto-Lächeln und ein paar extra Fahrten gekostet, aber hey – als echter Lebenskünstler nimmt man auch das mit Humor. Jetzt streamt das Internet endlich flüssig!
Holt euch vorher einen neuen Pass, nehmt euch eine Decke mit und kontrolliert **vor** dem Verlassen des Ladens ganz genau, ob auch wirklich alle Karten im Rucksack gelandet sind!
Bis zum nächsten Abenteuer,
**Euer Herbie**